Der Körper in der tiefenpsychologisch und analytisch orientierten Psychotherapie 

Dipl.-Psych. K. Nickeleit  

Unsere menschliche Seele kann sich im Wesentlichen über den physischen Körper, das Gefühl und das Wort äußern und sichtbar werden.

In meiner therapeutischen Praxis erlebe ich diesbezüglich zwei fast konträre Phänomene: ein sowohl zutiefst seelisches Bestreben nach heilsamer Integration dieser drei Ebenen als auch eine aus der elterlichen Identifikation bevorzugte Ebenenwahl. Aus der Diskrepanz zwischen unseren natürlichen Ausdruckswünschen und den kulturell, erzieherisch gebremsten bzw. entfremdeten Ausdrucksmöglichkeiten entstehen vielfache Konflikte, die psychische oder psychosomatische Symptome hervorbringen. 

Sprechen wir vom  „Körper in der analytisch orientierten Therapie“ dann ist die integrative innerseelische Verbindung zum  physische Körper und dem emotionale Bereich gemeint. Anders gesagt geht es „um die heilige Botschaft unseres Körpers“. Dieser Satz ist von meinem Lehrer Hans-Joachim Maaz, den ich bis heute wie einen therapeutischen Kompass bei mir trage.

Der physische Körper umfasst dabei den Körperausdruck (Alexander Lowen) eines Menschen- seine knöcherne und muskuläre Körperhaltung, das Gangbild, den Händedruck, den Blick, die Stimme, den Atemrhythmus, das Liegen, Sitzen, die Spontanbewegungen im therapeutischen Miteinander. Gehen wir noch weiter nach innen berühren wir den Bereich der Psychosomatik mit seiner Organsprache (Ruediger Dahlke).

All das sind körperliche Symbolisierungen seelischer Seinszustände. Da die Somatisierung einer der frühsten Abwehrmechanismus ist, handelt es sich meistens um Symbolisierungen unbewusster und vorsprachlicher Natur - zuerst ist der Körper und dann das Wort.

Die Bioenergetik stellt die Brücke vom physischen in den emotionalen Bereich dar.

Der Muskelpanzer ist nach Wilhelm Reich ein frühkindlicher Gefühlsstau-Ausdruck von unterdrückten schmerzlichen und belastenden Empfindungen. Diese Gefühlseinschlüsse verbrauchen viel Energie, produzieren Symptome und schwächen das seelische System nachhaltig.

Über den sogenannten „Vierer Schritt“ (Hans-Joachim Maaz) wird Körperliches über Emotionales entlastet und in ein innerseeliches Verstehen mit möglichen Verhaltensänderungen gebracht.

Die vier Schritte sind:

1. Wahrnehmung  der Blockaden,  2. Aktivierung des Gefühlsstaus durch Atmung oder Körperbewegung, 3. Gefühlsaudruck und Freisetzung/Abfluss von frühem Schmerz und berechtigter Empörung und 4. geistig-verstehende Einordnung in die frühe lebensgeschichtliche Konstellation .

Auf  diese Weise minimieren oder lösen sich seelische und psychosomatische Symptome, obwohl die dahinter liegenden frühen beziehungsdynamischen Defizite und Traumatisierungen ja nicht ungeschehen gemacht werden können.

Aber mit den Möglichkeiten emotionaler Entladung, die eine ausschließlich körperbezogene Ausdrucksform finden muss –weinen, lachen, schreien, beißen, schlagen, treten, anklammern, wegstoßen, festhalten, umarmen- kann immer wieder seelische Entlastung und innere Befriedung erreicht werden.  

„Nur mit Demut und Offenheit darf man es wagen, sich den großen Gefühlsquellen zu stellen, die im Inneren des Menschen liegen“ - Alexander Lowen

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